Teil eines Werkes 
7. Bd. (1815)
Entstehung
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Hirten aller Seelen zu widmen! Wenn du nur Genuͤgſamkeit ſindeſt!

Es thut mir doch leid, daß den Jung⸗ fraun deines Geluͤbdes, mit der Gelegenheit eines zweideutigen Umgangs, zugleich alle Ver⸗ einigung mit beſſern Seelen, die du zur Erwei⸗ terung deiner eigenen brauchteſt, abgeſchnitten iſt! Iſt die Einſamkeit leer, ohne unſterbliche Nahrung und dieſe liegt nicht in deinen Chorbuͤchern, und ſelten in den Geſpraͤchen dei⸗ nes Geſpiels ſo iſt eine ſolche Oede fuͤr das Gewaͤchs der Unſterblichkeit nicht viel nuͤtzlicher, als die eitelſte Taͤndelei der Zeitverderbung. Ich ſehe in den Stiftungen der Jungfrauſchaft, welche der Kreis eines goͤttlichen Lebens auf Erden ſeyn ſollen, wenig von dem Geiſte, nach welchem Chriſtus Geſellſchaften dieſes Berufs ſtiften wuͤrde. Triebe der Natur werden ge⸗ kraͤnkt, welches vielen wehe thut; und wo Ent⸗ haltſamkeit iſt, da bleibt doch immer eine geiſt⸗ loſe Oede. Es giebt eine Liebe, die uͤber Fleiſch und Blut geht, kein Geluͤbd und kein Dominium kraͤnkt. Wo Uebergewicht des Gei⸗

ſtes iſt, da ſchweigen die niedrigern Triebe.