7 79
unvergeßlichen Minute. Ihre Briefe waren jetzt mein ſchoͤnſtes Gluͤck; meine Wuͤnſche und Hoffnungen mir ſelbſt immer klarer und ver⸗ ſtaͤndlicher: doch huͤtete ich mich, Ihnen unſre fruͤhere Bekanntſchaft ins Gedaͤchtniß zuruͤckzu⸗ rufen. Wenn mein Herz mich nicht taͤuſchte, wenn dies treue, unwandelbare Gefuͤhl deſſelben einem gleichen begegnete: ſo mußte auch Ihnen noch eine dunkle Erinnerung, ein leiſes Streben geblieben ſeyn, in mir, wenn wir jetzt zuſam⸗ mentrafen, den fruͤher Geſehenen auffinden zu wollen. Von dieſer Probe erwartete ich das Gluͤck meines Lebens. Die Geliebte, die mir Vaterland, Familie, Freunde aufopfern ſollte, um ihr Schickſal an das Ungewiſſe der Lage eines Kriegers zu binden, den ſein Geſchick in der naͤchſten Minute vielleicht in einen fremden Welttheil ruft— mußte durch ein unſichtbares, geheimnißvolles Band mit mir verbunden ſeyn, wenn ich den Muth haben ſollte, ein ſolches Opfer von ihr zu fordern und es anzunehmen. So zwiſchen Furcht und Hoffnung getheilt, fuͤhrte mich der Zufall Ihnen wieder nahe. Ich war feſt entſchloſſen, Sie auf dieſem Zuge zu ſehen,


