76
und muͤßte ich mir die Minuten dazu ſtehlen; es ſchien anders beſchloſſen zu ſeyn. Der Ge⸗ danke an Sie war mein letzter, als ich ſchwer verwundet vom Pferde ſank, und der erſte daͤm⸗ mernde Lebensblick nach langer Todesnacht zeigte
mir die weinende Freundin im Gebete vor mei⸗
nem Sterbelager hingeſunken und verklaͤrt vom Widerſchein der Abendſonne——
Bald ſah' ich meinen Freund von ſeinem Lager erſtehen, bluͤhender als jemals; und ſeiner Geneſung folgte bald der Tag, wo ein Band, das ſchon fruͤher zwei Herzen zu Einem ver⸗ knuͤpft hatte, durch Prieſterhand den Segen der Erde zu dem des Himmels erhielt. Noch lebe ich mit ihm in meinem Vaterlande; bald viel⸗ leicht muß ich es verlaſſen: aber keine Ahnung, keine Furcht verduͤſtert meine Seele. Reich im Augenblicke der Gegenwart bin ich uͤber die Zu⸗ kunft ruhig— wie es das Weib eines Helden ſeyn muß; geſaßt, wie jene Liebe, fuͤr die es keine Trennung giebt, es beim Gedanken des Todes iſt, der ihrem Gluͤcke Wuͤrde, ihren Freuden einen leiſen, veredelnden Schauer giebt.
Fanny.
1


