6—
aber nicht mehr uͤber die geweſene, ſondern uͤber die zukuͤnftige. Denn, daß das Original ſeines Bildes die zukuͤnftige Koͤnigin werden muͤſſe, daruͤber war bei ihm und folglich auch in der ganzen Welt kein Zweifel. Er konnte den folgenden Tag kaum erwarten, wo er auf einen neuen Beſuch der ſchoͤnen Trauernden hoffte; Feſte wurden ſchon voraus ihr zu Ehren angeordnet, wobei der Koch in Amt und Ar⸗ beit ſich befeſtigt ſah. Alles war in dem feier⸗ lichſten Glanz; allein man wartete vergebens. Die geheimnißvolle Schleierdame erſchien nicht
wieder.
Das Portrait der kuͤnftigen Koͤnigin blieb am Hofe und in der Reſidenz kein Geheimnß, denn der Koͤnig zeigte es aller Welt, und forſchte bei aller Welt nach dem lebendigen Original dazu. Die Hofmaler kopirten mit
hoͤchſter Erlaubniß das Miniaturbild und die
andern Reſidenzmaler kopirten ihre Kopien. Bei der naͤchſten Ausſtellung der Akademie ſah man nichts als Kopien in Oel, Waſſer, Paſtell, Porcellan, Email, Seide, Wolle, Holz⸗, Blumen⸗, Stein⸗, Glas⸗, Feder⸗,


