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zu ſehen, ſo lange ihr Auge noch Thraͤnen und ihre Bruſt Seufzer habe. Die Reihe zu troͤſten war nun an dem
Koͤnig, aber er hatte einen ſchwerern Stand,
als ſeine Troͤſterin, denn ſie wollte nicht ein⸗ mal das Heiligthum ihres Schmerzens ſeinen Augen eroͤffnen, und der gute Koͤnig, der den Katalog der menſchlichen Leiden nicht ſehr inne hatte, mußte ſich in dem weiten Felde der allgemeinen Troͤſtungen ermuͤden. Alle Bitten um ihren Anblick oder nur um ihren Namen, blieben fruchtlos; alles was ſie ſei⸗ nen Blicken geſtattete, war zum Abſchied ein Miniaturbild, das ſie unter dem Schleier von ihrer Bruſt loͤſete, und dem Koͤnig mit dem Verſprechen uͤbergab, er ſolle ſie bald wieder⸗ ſehen.
Das war aber auch ein Bild! Der Koͤnig ſchwur, Venus ſelbſt habe geſeſſen, und Amor habe gemalt. Er ſchickte alle Kammerherrn und Kammerjunker der Schleierdame nach, er machte ſich ſelbſt auf den Weg, aber umſonſt, ſie war nirgends mehr zu finden. Der Koͤnig war von neuem uͤber ſeine Gemalin untroͤſtlich,


