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Tugenden an ihr, welche ihrem Zuhoͤrer ſelbſt unbekannt ſchienen. Er ſtimmte Anfangs ge⸗ ruͤhrt ein, als von ihrer Schoͤnheit die Rede war, beſchraͤnkte dann mit Witwerbeſcheiden⸗ heit das graͤnzenloſe Lob der Rednerin, als ſie der Verblichenen Regententugenden erhob, und lenkte endlich das Geſpraͤch auf andre Ge⸗ genſtände, als eben das Kapitei von ihren haͤuslichen Vortrefflichkeiten abgehandelt wer⸗ den ſollte.
Die Rednerin hatte ihren Zweck erreicht. Je mehr ſie die zarte Milde, die ſanfte Tau⸗ benhaftigkeit, die ſtille Gemuͤthlichkeit der Se⸗ ligen ruͤhmte, um ſo ungeduldiger bemuͤhte ſich ſeine Majeſtaͤt, ihr Pathos zu beſaͤnftigg. Es war ein Gluͤck, daß der ſiebenfache Schleier ihr Geſicht verhuͤllte, ſonſt haͤtte ihr Lachen den angelegten Plan verrathen. Endlich als der Koͤnig ihr viel Verbindliches uͤber die Be⸗ ruhigung fagte, welche er in ihren Geſpraͤ⸗ chen finde, und ſie bat, ihm auch den An⸗
blick ſeiner Troͤſterin zu vergoͤnnen, trat ſie
mit noch groͤßerem Pathos zuruͤck und vermaß ſich hoch und theuer, keines Mannes Angeſicht


