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nein, keine! Schon ſchleicht der Hunger um⸗ her in tauſend Geſtalten. Die Mutter ſchont nicht des unmuͤndigen Kindleins; die beſſere nicht
des eigenen, himmliſch gebildeten Koͤrpers! Ein
Tag verſchleicht nach dem andern, und keine Huͤlfe! Sie verſchmachten mitten unter ihren zur Rettung geſchonten Schaͤtzen. Aber drau⸗ ßen haͤuft ſich Leichnam auf Leichnam. Zu dem Hunger geſellt ſich ſeine Schweſter, die Peſt, denn Alarich bewacht die Graͤber, daß Verweſung unter den Lebenden wohne.
Laͤta! in einer Glorie ſchwebt dein Name vor mir uͤber: du wirſt dem Elend wehren! Wer iſt die Goͤttliche, die ihr Alles ſpendet fuͤr eine einzige Ladung Brot? Wer iſt ſie, die mit goldaufgewogner Liſt, durch die verſchloßnen Pforten das Mittel hereinſchafft, Aufſchub vom Feinde zu heiſchen, und bet ihm um Scho⸗ nung zu flehen? Reburria Maxima, des An⸗ niciers hochbenamte Tochter, dieſe That, die ewig, wie Sterne, glaͤnzen wird, dieſe thatſt du nicht; das iſt die alte, faſt vergeßne 15)
13) Lata Gratiana, die Wittwe des ſchuldlo⸗ ſen ſanften Kaiſers Gratian, ihm gleich an Milde,


