79 Am Grabe der Geliebten.
Aus dem Franzoͤſiſchen.
Hier, wo ich jetzt gern mein Leid verhele,
In dem Schatten, wo die Sehnſucht ruht, Hier empfing der Abgott meiner Seele
Das Geſtaͤndniß reiner, ew'ger Gluth; Hier empfing den Schwur ſie, der mein Leben, Meinen Willen ihr zu eigen gab— Ach, die Schatten jener Stunde ſchweben
Herz durchbohrend ſuͤß auf mich herab!
Welches Luͤftchen, das ſo lind' und leiſe,
Zaͤrtlich koſend um die Bruſt mir ſpielt, Traurig liſpelt im Cypreſſenreiſe,
und ſo mild das wunde Herz mir kuͤhlt? Biſt du es, Geliebte? ſchoͤnſte Roſe?
Daß mein Herz ſo heiß entgegen ſchlug? Spielt um mich dein ſuͤßes Liebgekoſe?
Laß mir, Gott, o laß den holden Trug!


