Teil eines Werkes 
4. Bd. (1815)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Seelenruhe.

An B. N.

Wohl, du haſt mit feſter Weisheit Muthe

Dir die furchtlos edle Bruſt bewehrt,

Daß Verleumdung nie mit deinem Blute

Mehr die gift'ge Schlangenſeele naͤhrt;

Ruhig darfſt du nun durchs Leben gehen,

Nie von feilem Tadel mehr erreicht;

Magſt verachtend auf die Kleinen ſehen,

Deren Haß in niederm Dunkel ſchleicht.

Doch nur Einem magſt du nie enteilen,

Einem Angriff nur erliegt das Herz;

Stolz und Weisheit nicht vermag zu heilen

Jener Wunde heft'gen Flammenſchmerz!

Kennſt du ſie, die tiefe Seelenwunde?

(Ach dem Herzen iſt ſein Muth entwandt!)

Kömmt der Vorwurf aus geliebtem Munde,

Koͤmmt der Todpfeil aus geliebter Hand.