63 nicht ganz zu erringen vermag, und die Thraͤ⸗ ne, die du von meinem Auge kuͤſſen wuͤrdeſt, waͤre mir das letzte Pfand einer Seeligkeit, die nicht fuͤr dieſe Erde war.— O! laß es mich noch einmal waͤhnen, du ſteheſt mir in dieſer Trennungsſtunde gegen uͤber, wie bei jener, da ein leichter Hoffnungsſchimmer deinen kuͤhnen Geiſt nur ſtaͤrker machte. Zerriſſen war dein Herz, wie das meine; doch die edle Faſſung, mit der du mir ſagteſt:„Ludoiska! Sei groß, wie du es ſeyn kannſt, und bleibe mir, getrennt, was du mir warſt und biſt!“⸗ — dieſe Faſſung machte mich ſtark gleich dir, und der letzte brennende Kuß riß mich von dir. Ich habe dich nicht wiedergeſehen ſeitdem, es konnte, durfte nicht ſeyn: denn wie haͤtte ich zum zweitenmale dein Leben auf dem Spiele ſehen koͤnnenn! Aber meiner Seele le⸗ bendig ſtandeſt du vor mir in jeder einſamen Stunde, die ich ſuchte, weil ich kein Weſen hatte, das mich verſtand, keins, dem ich mei⸗ nen Schmerz haͤtte klagen duͤrfen. Minna, meine getreue Minna, war die einzige, die mit mir fuͤhlte,— ach! und ſie durfte nicht
Selene VIII. Heft. 5


