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haͤrtere Zucht gelaͤutert werden mußte. Tag und Nacht ergoſſen ſich meine Thraͤnen: meine Auf⸗ ſeherinnen blieben ungeruͤhrt— ſie hatten mit den Menſchen auch den menſchlichſten Empfin⸗ dungen entſagt, Leid und Freude kannten ſie nicht mehr. Ihre gewohnte, einfoͤrmige, rauhe Lebensweiſe, die ſchweren Buͤßungen ihrer Or⸗ densregel, die noch ſchwerern zu welchen ſie ſich, mit einander rivaliſirend, freiwillig beſtimm⸗ ten, die Strenge und Haͤrte ihrer Kloſterzucht, alles das hatte ſie ſo betaͤubt und ſo verhaͤrtet, daß ſich, mochte auch vorfallen was da wollte, keine Spur von Ausdruck auf ihren todtenblei⸗ chen Geſichtern zeigte. Selbſt ihre religioͤſen Uebungen verrichteten ſie— puͤnktlich zwar, aber ohne alle ſichtbare Theilnahme, im truͤben, eintoͤnigen Mechanismus. Nie habe ich dabei auf ihren Geſichtern jene verklaͤrende Heiterkeit geſehn, die das Licht der Gnade zuweilen uͤber Betende verbreitet. Nie wurden nun auch mei⸗ ne Klagen, nie meine flehentlichen Bitten anders erwidert, als mit dunkeln, geheimnißvollen Hin⸗ weiſungen auf eine andere Welt. Alle Verſuche, irgend jemand Nachricht von mir zu geben, wa⸗


