Teil eines Werkes 
3. Bd. (1815)
Entstehung
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ren mir abgeſchnitten; wußte ich ja doch nicht einmal, in welcher Provinz ich mich befand! Ei⸗ nige Briefe meiner Mutter enthielten nur kalte Ermahnungen und wortreiche Troſtſpruͤche.

So verfloſſen mir zehn Monate, und jetzt fing man an, von meiner Einkleidung zu ſprechen. Ich verfiel in Verzweiflung, ich ſchrie laut uͤber Gewalt: ruͤhig und gelaſſen verordnete man eine ſtrengere Behandlung, um meine Wi⸗ derſetzlichkeit zu ſtrafen und mich fuͤr die Ein⸗ wirkung der Gnade faͤhiger zu machen. So vergingen wieder einige Wochen; man fing an, den Tag meiner Einkleidung als ein Freuden⸗ feſt vorzubereiten, ſandte Einladungen an die umherliegenden Kloͤſter, ſchmuͤckte die Zimmer des Weihbiſchoffs, ſuchte den reichſten Putz der Heiligenbilder hervor; meine Kraͤfte er⸗ ſchoͤpften ſich, ich ſahe dies alles in dumpfſin⸗ niger, tiefer Betaͤubung mit an und jetzt war man mit mir zufrieden.

Einſt ſchwankte ich, wie oͤfters, in den duͤſtern, wild verwachſenen Gaͤngen des Klo⸗ ſtergartens, Thraͤnen zu ſuchen, die der ver⸗ trocknete Quell meiner Augen nicht mehr her⸗