Teil eines Werkes 
3. Bd. (1815)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

tiefer in meine Seele zu blicken. Wir wein⸗ ten die Nacht vor dem Abſchiede mit einander, beſchworen unſern Freundſchaftsbund noch ein⸗ mal, und verſprachen uns, woͤchentlich zu ſchrei⸗ ben. Jetzt kam der Wagen des Majors, und Angelika konnte mir zerſtreut und gaͤnzlich unbe⸗ fangen nur noch ſagen: Mein Bruder koͤmmt bald zuruͤck; damit du meine Briefe ſicher be⸗ kömmſt und die deinigen ſicher beſtellt werden, ſoll er unſer Brieftraͤger werden. Jetzt noch eine heftige, aͤngſtliche Umarmung, und Ange⸗ lika flog davon.

Nun fuͤhlte ich eine ſchreikliche Oede und Leere in mir, von welcher mich nichts retten konnte: ſelbſt die Erhebung der Seele von dem vollkommenſten Geſchoͤpf zu ſeinem Schoͤpfer ge⸗ nuͤgte mir nicht mein Herz war wie mit Ketten an die Erde gefeſſelt; und nur kalte Ge⸗ danken, nur geſuchte Worte, keine heißen Wuͤn⸗ ſche ſtiegen mehr uͤber die Wolken. Ich trauerte, ich weinte uͤber mich ſelbſt, ohne Muth und Kraft mich aufzurichten ich ſuchte ja Muth und Kraft in mir ſelbſt!

In dieſer Verwirrung erhielt ich ein kurzes