Teil eines Werkes 
3. Bd. (1815)
Entstehung
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Schreiben meiner Mutter, werin ſie mir ankuͤn⸗ digte, ſie werde mich nach einigen Monaten be⸗ ſuchen, und wahrſcheinlich mit ſich nehmen. Dies verwandelte meine ganze Anſicht der bis⸗ herigen Verhaͤltniſſe. Ohne eben beſtimmt uͤber meine Zukunft nachgedacht zu haben, hatte ich mich, umgeben nur von Kloſterjungfrauen, all⸗ maͤhlich gewoͤhnt, mich auch kuͤnftig als eine ſolche zu denken: jetzt dieſe Aeußerung meiner Mutter ich ſollte hinweg, ſollte(ſo dachte ich's) in die Welt ſo durfte ich ja hoffen! ſo war ja meine Liebe wenigſtens kein Verbre⸗ chen, und nur etwa die Quelle von Leiden, die ich ſelbſt zu tragen bekaͤme, und ſo gern tragen wollte! Nun uͤberließ ich mich meinen Phan⸗ taſieen und Gefuͤhlen ſorgloſer, und der Kampf in meinem Innern wurde ſchwaͤcher.

Nach einigen Wochen kam der Major zuruͤck und brachte mir die herzlichſten Gruͤße und die traulichſten Briefe ſeiner Schweſter zuruͤck. Ich will kurz ſeyn uͤber dieſen Monat. Der Major kam oft, und nahm meine ganze Seele ein. Jetzt brachte er mir einen Brief, den er mir mit ganz beſonderer Schuͤchternheit uͤbergab. Eine