Teil eines Werkes 
3. Bd. (1815)
Entstehung
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Major im Geſpraͤch mit der Aebtiſſin, und ſobald Angelika ihren Bruder erkannt hatte, nahm dieſe keinen Anſtand ihn in den Saal

treten zu laſſen.

Bruder und Schweſter flogen einander in die Arme, konnten nicht ſprechen, blickten ei⸗ nander nur mit Augen von himmliſcher Freude an: die gute Aebtiſſin ſtand eine Weile, verſun⸗ ken in ihren Anblick, und ich gewann Zeit, aus der Ferne unbemerkt meine Augen auf den Bruder zu heften und meine ganze Seele durch meine Augen zu berauſchen. Ich wage es nicht, dieſe meine Leidenſchaftlichkeit zu ent⸗ ſchuldigen; ich wage nicht einmal zur Vermin⸗ derung meiner Schuld anzufuͤhren, wie gefaͤhr⸗ lich die Umſtaͤnde, unter denen ich den Major kennen lernte, fuͤr mich werden mußten wie ich in Unerfahrenheit und aus Schweſterliebe die herzlichſte Theilnahme an ihm mir zur Pflicht machte; wie ich niemals, auch hernach nie, eine edle Seele ſich in einem ſo ſchoͤnen Koͤrper habe ſpiegeln ſehn

Endlich wurde die kluge Aebtiſſin auf mich aufmerkſam, und wendete ſich eben zu mir, mich