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war fuͤr mich ein Donnerſchlag, und koſtete auch ihr viel Thraͤnen; doch ſie ging ihren geliebten Aeltern, ging einem Gluͤck entgegen, fuͤr das ſie ſich geeignet fuͤhlte— unmoͤglich konnte ihr die Trennung ſo ſchwer werden, als mir, die ich mich jetzt zum erſtenmal ganz ein⸗ ſam ſahe und vor der Zukunft ſchauderte.
Nach dem Wunſch der Aeltern ſollte An⸗ gelika von ihrem Bruder abgerufen und ihrer Familie zugefuͤhrt werden. Dieſer Bruder ſtand in Militaͤrdienſten; ich hatte ihn nur durch die begeiſterten Schilderungen ſeiner Schweſter kennen gelernt, aber nie geſehen. Sein Regi⸗ ment war bisher an die aͤußerſte Grenze des Landes verlegt geweſen, und erſt ſeit einigen Wochen zur Cantonnirung in die Reſidenz geru⸗ fen worden.
Er kam zur beſtimmten Zeit an, und wur⸗ de, wie gewoͤhnlich, ins Sprachzimmer gefuͤhrt. Ich war eben bei meiner Freundin, als man ihr die Ankunft ihres Bruders meldete. Gluͤ⸗ hend vor Freuden, und unbeſchreiblich reizend in dieſer Glut, flog ſie zum Gitter und zog mich, ohne Abſicht, mit ſich fort. Wir trafen den


