Teil eines Werkes 
3. Bd. (1815)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

5

anders, als mit frohem Dank gegen meinen Schoͤpfer entſchlafen waͤre.

Ich darf mit Freuden auf jene Zeit zuruͤck⸗ ſehen; ich war, was zu werden jetzt mein hoͤchſtes Beſtreben iſt: ein ſchuldloſes, ſorgen⸗ freyes, gottergebenes Kind, wiewol meine Jahre mich zur Jungfrau machten. Ach daß es im⸗ mer ſo haͤtte bleiben koͤnnen! doch nein; das Gute in mir ſollte nicht bloße Gewoͤhnung, es ſollte Erzeugniß des freien Willens, des harten Kaͤmpfens ſeyn; ich mußte der ſtrengen Pruͤfung, mußte der Schuld dahingegeben werden, um dann gelaͤutert zu meinem Herrn zuruͤckzukehren..

Meine Erzieherinnen gaben mir, ſo wie den andern Koſtgaͤngerinnen, in den reifern Maͤdchenjahren allerhand Schriften zu leſen, worin viel von gefaͤhrlichen Freuden der Welt, von verfuͤhrerifcher Luſt der Sinne und locken⸗ dem Reiz des Beiſpiels geſprochen wurde; die⸗ ſe Schriften aber, ſtatt mir meine ſichere Ent⸗ fernung von alle dem werther zu machen, reizten meine Neugierde, erregten ſeltſame Bilder in meiner Phantaſie und mich ſelbſt