Teil eines Werkes 
3. Bd. (1815)
Entstehung
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und ich that alles, ihr angenehm zu werden: aber es gelang mir nicht, und durch meinen Kummer daruͤber wollte Gottes weiſe Guͤte mich fruͤhe ſchon auf die Leiden vorbereiten, die mich ſpaͤter erwarteten, und die mich ſonſt in Verzweiflung oder Verbrechen geſtuͤrzt haben wuͤrden. Ich hatte noch einen juͤngern Bru⸗ der: der iſt mir aber nicht bekannt worden. Ich wurde naͤmlich ſchon in der fruͤheſten Kindheit aus dem vaͤterlichen Hauſe e en. Ein guter Pfarrer erzo iich auf dem Lande, wo ich, befreundet nadhande und muntern Hausthieren, angehalten zum Fleiß und zur Froͤmmigkeit, recht gluͤcklich war. In meinem zehnten Jahre brachte man mich zu den Ur⸗ ſulinerinnen nach Aſtheim. Hier lebte ich noch einſamer, aber nicht weniger zufrieden. Die ſtille Heiterkeit mehrerer Schweſtern und Koſt⸗ gaͤngerinnen, und die wohlgeordnete Abwechſe⸗ lung zwiſchen nuͤtzlicher Geſchaͤftigkeit, ange⸗ nehmer Unterhaltung und religioͤſen Uebungen, that mir unbeſchreiblich wohl. Ohngeachtet mir hier ein Tag ganz wie der andere verging, erinnere ich mich doch keines Abends, wo ich