Teil eines Werkes 
2. Bd. (1815)
Entstehung
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zeichen der Dinge; das Herkoͤmmliche verſchwin⸗

det mit den Geſchaͤften und Ruͤckſichten des Weltlaufs, durch welchen es beſteht. Nur die gereinigten Formen leben in ihrem magiſchen Schimmer, und Selene ſieht und zeigt blos die Bilder der Welt, wie der befreiete Geiſt ſie in Momenten ſtiller und ruhiger Betrachtung erblickt, wo kein Nebel oͤkonomiſcher oder politi⸗ ſcher Selbſtſucht den unſichern Blick irre leitet.

Auch im unterirdiſchen Tartarus wandelt Selene unter den Schatten vergangener Men⸗ ſchengeſchlechter und Zeiten. Dreigeſtaltig ſchaut ſie in die Vergangenheit, Gegenwart und Zu⸗ kunft, und fuͤhrt die Geiſter der dreyfachen Zeit herauf zu den Menſchen, welche die ernſte, keu⸗ ſche Goͤttin mit reinem Sinn anrufen.

Aber neben ihrem ernſten, feierlichen Gang am Himmel und in der Unterwelt, liebt Selene die frohe, rege Luſt der Erde. In den Hainen verfolgt ſie das fluͤchtige Wild bei Geſaͤngen der Jagd, und die Nymfen tanzen mit ihr an dem ſchattigen Quell. Doch fern von dem froh mußßwilligen Spiel ſcheucht das ſtrafende Auge

der jungfraͤulichen Goͤttin jeden zuruͤck, der mit

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