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nicht gebunden, die Verfolgte aufnahm. Hier gebahr ſie unter einem Oelbaume die naͤchtliche Selene, und unter einer Palme den welt⸗ erleuchtenden Helios.
Selene will mit ihrem ſtillen Scheine nicht ein Syſtem von Welten beleuchten und erhellen; ſie begnuͤgt ſich, der Erde das Licht zuzuſtralen, welches ſie ſelbſt aus dem himmli⸗ ſchen Lichtquell empfing. Bemerkt das, mit dem Sehrohr der Kritik bewaffnete Auge, neben dieſem Licht noch den matten Schimmer, wel⸗ chen die beleuchtete Erde ihr ſendet: ſo ſchaͤmt ſich Selene deswegen nicht ihres erdumwan⸗ delnden Laufes; ſie wollte mit dieſem Schimmer nicht leuchten, auch zeigt ſie ihn nicht dem natuͤrlichen Auge, ſondern nur dem kuͤnſtlich geſchaͤrften.
Selene leuchtet der Erde, aber nicht ihrem Gewerb und dem Drange ihres geſchaͤftreichen Wirkens. Wenn der Laͤrm des Tages ſchweigt und ruht, will ſie dem ſtillern Leben leuchten, welches mit den Schatten der Nacht uͤber die Erde ſich verbreitet. In ihrem Schein blblaſ⸗
ſen die Farben, die zufaͤlligen Unterſcheidungs⸗


