Teil eines Werkes 
3. Bd. (1874)
Entstehung
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Nach einer altbewahrten Sitte giebt der Kaiſer all⸗ wöchentlich an einem beſtimmten Tage in ſeinem Reſidenz⸗ ſchloſſe Jedem, der ſich dazu meldet, eine perſönliche Audienz, um Beſchwerden oder Bittgeſuche anzunehmen. Schon das nächſte Mal nach der Gerichtsverhandlung gegen den Grafen Horneck ſah man in dem Vorzimmer eine junge, elegant gekleidete Dame in tiefſchwarzer Witwentracht; man las auf ihrem bleichen Antlitze das tiefſte innere Leiden, und doch trat ſie mit einer Würde und Be⸗ ſtimmtheit auf, welche ihren vornehmen Stand und die Gewohnheit, ſich in den höchſten Kreiſen zu bewegen, be⸗ zeichneten. Dem Adjutanten, welcher die Anmeldungen zu machen hatte, mußte ſie bekannt ſein; er behandelte ſie mit beſonderer Hochachtung und Artigkeit, ſprach ſehr angelegentlich und theilnehmend mit ihr und ließ ſie zuerſt in das Zimmer der Majeſtät treten, als die Audienzen eröffnet wurden.

Der Kaiſer, ein ſtattlicher, noch junger Herr, ſtand in voller Uniform aufrecht an einem in der Mitte des Ge⸗ maches befindlichen Tiſche.

Die junge Frau ſchritt, nachdem ſie ſich ehrfurchts⸗ voll verbeugt hatte, auf ihn zu, beugte ein Knie und

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