Teil eines Werkes 
2. Bd. (1858)
Entstehung
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und Marien's aus, bald aber wurde ſie wieder ſtiller und konnte eine heimliche Scheu nicht verbergen, die ihre Freude herunter drückte. Die junge Gräfin verſtand ſie mit tiefem Bedauern; Marie Franke fürchtete, ihr Sohn möge etwas von dem regelloſen Leben hören, das ſie früher geführt hatte, und die ihr zugetragene Liebe ſich bald in Mißach⸗ tung verkehren. Marie beruhigte ſie auf zarte Weiſe ſo gut, wie ſie es vermochte, darüber; ſie ſelbſt wollte Wilm die Geſchichte ſeiner Mutter erzählen und dabei ſchweigend über die Fehler fortgehen, die dieſe ſich hatte zu Schulden kommen laſſen, nachdem ſie von dem Kammer⸗ diener Nordmann geſchieden war; Wilm ſollte nur erfah⸗ ren, daß ſie ſeitdem im Elend in der Hauptſtadt gelebt habe. Die alte Frau war etwas beruhigter und verſicherte Marie unter heißen Thränen auf das Heiligſte, daß ſie fortan gewiß keinen Grund geben werde, ſie nachtheilig zu beurtheilen, was ſie in dem Hauſe, in dem ſie ſich zuletzt auf Egmont's und ſeiner Frau Veranlaſſung befunden, auch bereits bewieſen hatte. Marie war zwiſchen wider⸗ ſtreitenden Gefühlen getheilt und die Freude darüber, daß Wilm ſeine Mutter wiedergefunden habe, war nicht ganz rein bei ihr, aber es ließ ſich kein beſſerer Ausweg ſinden, das Störende dieſes Wiederfindens fortzuſchaffen, als

dem Sohne die frühere Schmach der Mutter zu verheim⸗ lichen.