Teil eines Werkes 
2. Bd. (1858)
Entstehung
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ſtolzer Haltung in prächtiger Kleidung, aber ein Schleier 8 bedeckte das Geſicht und verbarg ſeine Züge vollkommen.

Erſt in der kleinen Vorhalle der Kirche ſchlug die dame.

dieſen Schleier zurück, zu ſpät, um von den Neugierigen erkannt zu werden...

Einen anderen Eindruck machte ihre Erſcheinung in der Kirche ſelbſt, als ſie, von dem Doctor geführt, dort eintrat. Einen Augenblick herrſchte eine Todtenſtille, und ein merkwürdiger Ausdruck des Unglaubens, der Beſtürzung oder der Mißbilligung lag auf allen Geſichtern, dann aber machten ſich alle dieſe Empfindungen in leiſem Geflüſter der Verſammelten kund.

Marie Theißen! tönte es faſt von allen Lippen zugleich, und nur die Heiligkeit des Ortes hielt einen lauteren Ausbruch des höchſten Erſtaunens zurück; man war verſucht, an eine täuſchende Aehnlichkeit zu glauben, nur Wenige fanden die einfachſte und richtigſte Erklärung des Wunders.

Marie mochte ahnen, was in allen dieſen Gemüthern vorging, daß wohl nur wenige ihr von Herzen Glück wünſchten, in den meiſten aber nur Neid wohnte, denn ſie hatte die Augen feſt zu Boden geſenkt, als ſie dem Altare zuſchritt, an dem Egmont ſchon ihrer wartete, aber als ſie ſich an ſeiner Seite befand, ſchwand jeder Ausdruck der bangen Scheu aus ihrem lieblichen Geſichte und ſie heftete

1858. XIX. In Wald und Schloß. II. 2