Teil eines Werkes 
2. Bd. (1858)
Entstehung
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Gott iſt barmherziger als die Menſchen, erwiederte Egmont in feſtem Tone;er hat mir das Gebot der Liebe in das Herz gelegt, und ich werde ihm darum folgen.

Wenn Dich nichts umzuſtimmen vermag, bat die Gräfin,ſo befolge wenigſtens einen Rath von mir; laß noch ein Jahr vorüber gehen, Dich zu prüfen und dem Schickſal Zeit zu laſſen, vielleicht eine andere Beſtimmung zu treffen, ehe Du Dich unauflöslich bindeſt.

Nein, Mutter, entgegnete der Graf beſtimmt; das kann ich Marien's wegen nicht; die Wiederherſtellung ihres Rufes und ihres Glückes iſt mir eine heilige Pflicht und ich kann ſie nie früh genug erfüllen. Daß mein Herz aber in einem Jahre noch eben ſo ſpricht, wie jetzt, daß es ſo ſprechen wird, ſo lange es ſchlägt, das ſollſt Du ſehen, Mutter.

Alle weiteren Bitten der Gräfin blieben erfolglos und weinend wankte ſie auf ihr Zimmer, wo ſie Ida nicht mehr vorfand, denn dieſe hatte bereits, als ſie ſich zu ihrem Sohne begab, das Schloß verlaſſen und war nach Roſen⸗ thal zurückgekehrt. Hier theilte ſie indeſſen den Eltern das Vorgefallene nicht mit, denn ſo bald die erſte Verzweiflung vorüber war, begann ſie auch ſchon wieder zu hoffen, es werde dem Einfluſſe der Gräfin Eleonore gelingen, Eg⸗ mont's Entſchluß umzuſtimmen oder wenigſtens noch um einige Zeit zu verzögern.