ich kann Dich verſichern, daß in wenigen Jahren Niemand bemerken wird, welchem Stande Marie entſproſſen iſt.“
„Aber Du haſt vergeſſen, in welchem Grade ihr Ruf jetzt gefährdet iſt, daß man in der ganzen Gegend über ſie ſpricht,“ fuhr die Gräfin fort.
„Marie iſt unſchuldig, wie ich am beſten wiſſen muß,“ entgegnete Egmont;—„übrigens ſind dieſe Klätſche⸗ reeien ein Grund mehr für mich, Marien in das richtige Licht zu ſtellen, denn ich bin es, der ſie veranlaßt hat.“
„Und Du kannſt den Wunſch Deines ſterbenden Va⸗
3 ters vergeſſen, Deiner Mutter, die mit der zärtlichſten Liebe über Dich von Deiner Kindheit an gewacht hat und noch wacht, Dich mit Ida von Gilgenbruck zu vermäh⸗
len?“ fragte die Gräfin mit hervorbrechenden Thränen. „Der Vater würde vielleicht ſeine Anſicht geändert haben, wenn ich jetzt zu ihm ſprechen könnte,“ erwiederte
Egmont;—„Du aber, Mutter, kannſt unmöglich wünſchen, daß ich mein ganzes Lebensglück an ein Weſen kette, das
mich durch ſeine Kälte, ſeinen Mangel an wahrer Empfin⸗ dung abſtößt, das ich— mit einem Worte— nicht liebe und nie lieben werde. Es gilt nur, das eine Vorurtheil der Standesverſchiedenheit zu überwinden, und Du ſelbſt würdeſt mir Marie dann freudigen Herzens zuführen. Un⸗ terbrich mich jetzt nicht, Mutter, laß mich Dir erzählen, wie dieſe Liebe zu Marie über mich gekommen iſt und wie


