Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
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Sie ſprechen, Doctor, als ſtände mein Tod bereits poor der Thür, ſagte der Graf lächelnd,aber Sie erinnern mich, daß ich auch für dieſen Fall ſorgen muß und ich werde noch heute Veranſtaltungen treffen, Marien auch dann eine ſorgenfreie Zukunft zu ſichern. Dann aber vertrauen Sie meiner Kraft noch immer nicht recht, und dem kann ich freilich nichts als Verſicherungen entgegen⸗ ſetzen. Aber nun, Doctor, überlegen Sie, wohin wir Marie ſchicken, denn ich gedenke keinen Tag länger unthätig 4 zu ſäumen.. Alle weiteren Bedenken, die der Doctor in beſter Abſicht noch vorbrachte, wurden durch Egmont's Gegen⸗ 4 gründe und ſeinen feſten Willen überwogen; er ſprach 6 immer wärmer, ſo daß Mittermann ſich bewogen fühlte, ihm zu vertrauen. Nach mancherlei bald wieder verwor⸗ fenen Vorſchlägen wurde endlich beſchloſſen, Marie ſolle zu einer Schweſter des Doctors ſelbſt ziehen, einer ſchon bejahrten Wittwe, die in der Hauptſtadt unter ziemlich glänzenden Verhältniſſen lebte und die von ihrem Bruder ihrer Weiblichkeit und ihres Verſtandes wegen, hochgeſchätzt wurde; Graf Egmont war auf dieſen Vorſchlag mit Freu⸗ den eingegangen. 1. Mittermann ſchrieb noch an demſelben Tage an ſeine Schweſter, da er nicht zweifelte, ſie werde Marie mit 4 mütterlicher Zärtlichkeit aufnehmen, Graf Egmont aber

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