Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

213

Mutter und des Arztes nach Breitenſee. Die Fahrt hatte

ihn angeſtrengt und er war ſehr ermattet, als er dort ein⸗

traf, auch mißgeſtimmt durch den Abſchied vom Förſter⸗

hauſe, aber letzteres Gefühl wurde noch geſteigert, als er

an einem Fenſter des Schloſſes Ida bemerkte, die ſogleich

bei ſeinem Eintreffen auf den Hof eilte, um ihn zu begrüßen.

Ida iſt hier, Mutter, oder habe ich mich getäuſcht? fragte Egmont mit gerunzelter Stirn.

Ja, ſie iſt hier, erwiederte die Gräfin unbefangen;

ich hatte vergeſſen, es Dir früher mitzutheilen; auf

meine Bitte hat ſie ſchon ſeit drei Tagen unſer Haus be⸗ zogen, um mich zu unterſtützen; auch wirſt Du es ihr nicht übel deuten, daß ſie ihr Herz hierher zieht, wo ſie Dich in Gefahr weiß; ſie hat ſehr gelitten, ſeitdem ſie Dich in dieſem Zuſtande weiß.

Egmont erwiederte nichts, aber ſein Auge blieb kalt und theilnahmlos, als das Fräulein an ihn herantrat und ihm zu der Rückkehr in das Schloß Glück wünſchte.

Ich war in dem Hauſe des alten Theißen vortrefflich aufgehoben, beſte Couſine, meinte Egmont, augenſchein⸗ lich in der Abſicht, ſein wahres Gefühl offen an den Tag zu legen,und hätte ich nicht dem Wunſche der Mutter folgen wollen, ſo würde ich es gar nicht verlaſſen haben.

Beide Frauen waren von dieſen Worten unangenehm berührt worden, und Ida bereute ſchon ihren Entſchluß,