208
„Sei ruhig, meine gute Marie, ſie ſollen es bald erfahren,“ ſagte Graf Egmont tröſtend und zog ſie zu ſich nieder;—„es iſt Zeit, daß ich mit einer offenen Er⸗ klärung hervortrete, laſſe mir nur noch wenige Tage, mehr Kräfte zu gewinnen, denn ich fürchte, es wird einen harten Kampf mit der Mutter geben.“ 4
„Ich wußte es, Egmont, daß Du mich nicht getäuſcht haſt,“ flüſterte Marie in ſtrahlender Seligkeit,—„aber ſage mir offen, wer war die junge, ſchöne Dame, die Dich vor einigen Tagen mit ihren Eltern beſuchte? man ſagte, es wäre eine Baroneſſe, und die böſen Leute behaupteten, es ſei Deine verſprochene Braut.“
„Ich weiß nicht, beſte Marie, wer mich während meines Fiebers beſucht hat,“ antwortete Egmont ver⸗ wundert,—,aber ich vermuthe, daß Du Ida von Gilgen⸗ bruck meinſt, die meine Mutter allerdings mit mir zu verheirathen wünſcht, was ſie indeſſen ſicherlich nicht er⸗ reichen wird.“
„Und das Fräulein liebt Dich?“ fragte Marie wehmüthig.
„Ich weiß es nicht, Marie,“ erwiederte Egmont un⸗ befangen,—„ich habe ſie nie danach gefragt und ich halte ſie auch eines ſolchen wahren, tiefen Gefühls nicht für fähig.“
Marie war beruhigt, ſie drückte zärtlich ſeine Hand und ſah ihn mit liebender Dankbarkeit an.
₰


