8
205⁵ 7 nicht mehr in der wilden Fiebergluth, ſondern wieder eben ſo ſanft und ruhig, wie in den glücklichen Zeiten ihrer Liebe; er blickte zuerſt erſtaunt um ſich, denn er mochte wohl noch nicht die Erinnerung ganz wiedergefunden haben, dann ſtützte er ſich auf den einen Arm und erhob den Kopf, um beſſer ſeine Umgebung, die das trübe Licht der Lampe nicht deutlich erhellte, betrachten zu können. Sein Auge traf bald auf Marie, und ein Ausdruck der reinen Freude
überflog ſchnell ſein Geſicht.
„Marie,“ flüſterte er,—„biſt Du es wirklich, oder befängt mich ein Traum?— und wie komme ich denn hierher in Euer Haus, wie es ſcheint?“
„Sei ruhig, beſter Egmont, und erhebe Dich nicht mehr,“ bat Marie mit dem innigſt zärtlichſten Tone, ſich zu ihm niederbeugend;—„entſinnſt Du Dich denn gar nicht, daß Du krank geweſen biſt?“
„Krank?“ fragte Egmont mit ſchwacher Stimme;— „o ja, ich muß wohl krank geweſen ſein, denn ich habe lange, böſe Träume gehabt; ich meinte, ſie wollten Dich von meiner Bruſt reißen;— aber Du biſt ja hier, mein
theures Mädchen, und ich kann wieder ruhig ſein. Aber
erzähle mir nur, was eigentlich vorgefallen iſt, ich kann mich wirklich nicht darauf beſinnen.“
„Ich weiß nicht, ob ich es darf, Egmont,“ ſagte Marie, ſeine Hand in der ihrigen haltend;—„es könnte


