Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
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daß Egmont je eine ſolche im Ernſt beabſichtigt habe, darum hielt er es für Pflicht, der armen Marie ſo ſcho⸗ nend als möglich ihren Irrthum zu benehmen und ſie allmälig darauf vorzubereiten, daß ſie ihren Anſprüchen an Egmont werde entſagen müſſen. In der freundlichſten Weiſe hatte er ihr eine lange Abhandlung über die Standes⸗ unterſchiede gehalten und ihr auseinandergeſetzt, daß, wenn ſie ihr Herz, ihre perſönlichen Eigenſchaften auch voll⸗ ſtändig zu dem Platze berechtigten, den Egmont, wie er geſagt, ihr hatte anweiſen wollen, ihre Geburt doch ein unüberſteigliches Hinderniß ſei, ſich zu ihm zu erheben. Der Doctor hatte ſo ſanft, ſo ruhig geſprochen, daß Marie ihm nicht zürnen konnte; dennoch verletzten ſie ſeine Worte heimlich, ohne daß ſie ihren Zweck erreicht hätten; ſie ver⸗ traute dem, was ihr Egmont ſelbſt geſagt hatte, mehr. Auch jetzt dachte ſie wieder an dieſe Unterredung, und das Mädchen legte ſich, ihre Anſicht zu beſtärken, alle die Fragen vor, die der Arme dem Reichen gegenüber ſich wohl oft auf dieſer Welt ſtellt, in der die Gaben des Glückes ſo ungleich vertheilt ſind.

Eine Bewegung Egmont's weckte ſie aus ihrer Träu⸗ merei; ſie blickte auf ihn, und obgleich ihr Herz vor Ent⸗ zücken bebte, wagte ſie nicht, ſich zu rühren. Egmont hatte die Augen aufgeſchlagen, dieſelben blauen Augen, die ihr ſo tief in die Seele gedrungen waren, und ſie leuchteten

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