28
mals hart gegen mich ſein. Wollt Ihr mir nicht eine Ant⸗ wort geben, ſchöne Marie?“
„Ich weiß nicht, warum Ihr ſo hohen Werth auf„ meine Worte zu legen behauptet,“ erwiederte ſie befangen;
—„wenn dem aber ſo iſt, ſo mag es Euch zum Troſte gereichen, daß ich nicht die Abſicht hatte oder je habe, Euch zu kränken, da Ihr ein Freund meines Vaters ſeid.“
„Nur deshalb?“ fragte der Jäger mit mühſam ver⸗ hehltem Unmuth;—„wird es denn nie möglich werden, daß Ihr ſelbſt in mir auch einen Freund ſeht?“
„Ich haſſe Euch nicht, Franz,“ ſagte Marie und 8 ſchlug die Augen zu ihm in die Höhe.
„Aber Ihr liebt mich auch nicht,“ erwiederte Franz heftig, denn der Blick des Mädchens hatte alle ſeine Leiden⸗ ſchaftlichkeit wieder geweckt;—„ich bin Euch gleichgültig,f und das iſt für eine ſtarke Seele ein empfindlicheres Wort, als der Haß.“
„Ich kann meinem Herzen nicht gebieten, was Ihr verlangt und was es nie fühlen wird,“ verſetzte Marie feſt, denn nun, da ſie die Scheu vor dieſem Geſpräche glück⸗ lich überwunden hatte, hoffte ſie, ein offenes Wort werde den jungen Mann ganz von ſeiner nutzloſen Werbung abſchrecken.
„Ich weiß es, warum Ihr ſo ſprecht,“ rief der belei⸗ ſedigte Franz heftig;—„Ihr liebt einen Andern.“
6


