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troſtloſer, vereinſamter Lage ſie ſich jetzt befand, je deut⸗ 4 licher er ihre anſpruchsloſe Neigung zu ihm erkannte und je mehr er jetzt wieder den Einfluß ihrer natürlicher Lie⸗ benswürdigkeit fühlte. Er hatte ſich die Fragen vorgelegt, ob er, der ebenſo einſam, arm an Liebe in der Welt da⸗ ſtand wie ſie, ſich nicht aller thörichter Vorurtheile ent⸗ ſchlagen und ſein Glück da ſuchen dürfe, wo es ihm ſo
klar und einfach zugetragen wurde.
Auf wen brauchte er noch Rückſichten zu nehmen?— von ſeiner Familie ſchien er für immer getrennt zu ſein, und ſie hatte ſich jedes Recht darauf verſcherzt, über ſeine Perſon irgendeine Beſtimmung auszuüben, die Geſellſchaft ſeiner Standesgenoſſen bot ihm keine Befriedigung, und 1 ſeine pekuniären Mittel machten ihn ganz unabhängig von dem Vorurtheile der Welt. Wozu ſollte das raſtloſe Hin⸗ 6
und Herreiſen führen?— er war deſſelben ſchon längſt überdrüſſig geworden; Ruhmſucht und Eitelkeit verblende⸗ ten ihn nicht mehr, und er fühlte keine Luſt, ſolchen
Götzen zu dienen; nur nach einer friedlichen äußeren und inneren Ruhe ſehnte er ſich. Er war dafür allerdings
noch ſehr jung, hielt ſich durch bittere Lebenserfahrungen aber doch ſchon für genügend gereift, und konnte er nicht 4


