Die Erbherzogin hielt es für Pflicht, ihre Schützlinge noch am Abende zu beſuchen, aber ſie nahm dieſes Mal den Grafen Horneck nicht mit ſich, und er verſtand ſie recht wohl, weshalb; ihr ſanfter vertrauungsvoller Blick ent⸗ ſchädigte ihn für dieſe ſcheinbare Zurückſetzung, um die er ihr auch nicht einen Augenblick lang zürnte.
Während ihrer Abweſenheit kam der Erbherzog auf dem Schlößchen an und unglücklicherweiſe Victor ihm faſt zuerſt in den Weg. Selbſtverſtändlich begrüßte er ihn mit aller Achtung, aber der hohe Herr wollte einmal un⸗ gnädig ſein.
„Iſt meine Gemahlin anweſend?“ fragte er barſch.
Victor erwiderte, die Erbherzogin ſei in Begleitung
eines Dieners ausgeritten.
„Und Sie nicht ihr Kavalier, wie gewöhnlich?“
Es lag etwas Drohendes, augenſcheinlich Feindliches in Ton und Miene des Prinzen, und Victor, der ſich da⸗ durch verletzt fühlte, antwortete kurz:
„Ich bin heute nicht dieſer hohen Ehre gewürdigt worden.“*
„Aber Sie wiſſen, wohin ſich meine Gemahlin be⸗ geben hat?“
Der Lieutenant wollte, obgleich ziemlich mißmuthig,


