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„Graf Horneck,“ wandte ſie ſich an ihn,—„ſagen Sie unſerem Diener, er ſolle ſofort nach dem Schloſſe zurück⸗ reiten und den Leibarzt des Herzogs, Doktor Braune, in meinem Namen auffordern, ſo ſchnell als möglich hierher⸗ zukommen; wir werden ihn hier erwarten. Auch ſoll man unverzüglich einige Betten und Decken hierher ſchaffen laſſen und was der Doktor ſonſt noch für einen Fieberkranken erforderlich halten wird.“
„Und ein wenig Brod, wenn Ihr nun doch einmal ſo gut ſein wollt, ſchönes Fräulein!“ beeilte ſich das Kind hinzuzufügen, dem noch immer kein Verſtändniß darüber aufging, wer der hülfreiche Engel ſein möge.
Der Lieutenant ſtürzte fort; es drängte auch ihn zur Eile. Er gab dem verwunderten Diener kurz und ge⸗ meſſen ſeine Befehle, nahm die Zügel der beiden zurück⸗ bleibenden Pferde, als Jener fortſprengte, und knüpfte ſie an einen Baumaſt. Aber er war doch nicht im Stande, ſofort in die Köhlerhütte zurückzukehren; mit verſchränkten Armen lehnte er an einem Stamme und blickte in die rothe Sonnenglut hinein, welche die Wipfel der ſonſt ſo düſteren Bäume färbte. Das Herz war ihm übervoll, und un⸗ bewußt flüſterte er wiederholt vor ſich hin:
„Ja, ſie iſt ein Engel Gottes!“


