Teil eines Werkes 
1. Bd. (1874)
Entstehung
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zu ſetzen; die Erbherzogin ſtand keinen Moment an, darauf Platz zu nehmen. In ihrer liebreichen, gewinnenden Weiſe richtete ſie einige Fragen an den Mann, der ihr mit der⸗ ſelben Schüchternheit und Beſcheidenheit, wie ſeine Tochter, antwortete und alle deren Angaben beſtätigte.

Kümmert Euch nicht mehr, guter Mann, ſagte ſie dann mit vor Rührung halberſtickter Stimme;der Himmel hat uns hierher geführt und die Pflicht auferlegt, für Euch zu ſorgen; Euch ſoll auf der Stelle geholfen werden.

Das kleine Mädchen jubelte laut auf:

Seid Ihr ein Engel, ſchönes Fräulein? Gewiß, Ihr ſagt es ja ſelbſt! Wird mein Vater dann leben bleiben? kann er wieder ganz geſund werden?

Prinzeß Anna zog das Kind an ſich und küßte es auf die Stirn. Die Sonnenſtrahlen verklärten jetzt auch ſie, mehr aber in Victors Augen dieſe himmliſche Milde, die den Armen und Niedrigen von der Fürſtentochter zu⸗ theil wurde; er hätte ihr zu Füßen ſtürzen und laut aus⸗ rufen mögen, in demſelben frommen Glauben wie das Kind:

Ja, Sie ſind wirklich ein Engel!

Aber ein feſtes, beſtimmtes Wort der Erbherzogin brachte ihn wieder zur vollen Beſinnung.