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Man fand ein Bild der bitterſten Armuth und des ſchwerſten Elendes vor ſich; gewiß hatten ſich auch die Erbherzogin, wie der Lieutenant noch gar nicht vorzuſtellen vermocht, daß Menſchen unter ſolchen Verhältniſſen exiſtiren könnten. Nur die äußerſte Nothdurft war vorhanden; Nichts, was zur Bequemlichkeit, obenein für einen Schwer⸗ kranken, dienen konnte. Das Ganze würde geradezu ab⸗ ſchreckend geweſen ſein, wenn man nicht doch das Beſtreben bemerkt hätte, die Reinlichkeit zu erhalten, wenn die Sonne nicht durch das einzige kleine, zum Theil mit Papier ver⸗ klebte Fenſter ein paar goldene Strahlen geworfen und damit den Gegenſtänden eine freundliche Färbung gegeben, beſonders aber zufällig das hübſche Geſicht des kleinen Mädchens verklärt hätte, das neben einem auf dem Boden bereiteten erbärmlichen Lager kniete und in freudiger Auf⸗ regung zu dem darauf Ruhenden ſprach; das arme Kind 8 mochte ſich ſo glücklich fühlen, daß es den Vater in, ſeinen Anſprüchen nach, befriedigendem Zuſtande wiedergefunden hatte und ihm auch mittheilen konnte, mit dem vornehmen Beſuche würde wohl Hülfe gekommen ſein.
Der kranke Köhler war noch kein alter und ſonſt auch noch gewiß ſehr rüſtiger Mann, aber ein hartnäckiges Fieber hatte in den letzten Wochen ſeine Kraft gebrochen,


