Teil eines Werkes 
1. Bd. (1874)
Entstehung
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Bei dieſem ungeſtümen Ausbruche ahnungsvollen kind⸗ lichen Schmerzes zuckte die Gräſin Mathilde zuſammen und

ſah zuerſt ihre Tochter beinahe unwillig an; ſich aber ſchnell

faſſend, entgegnete ſie:

Aber Julie, was bringt Dich auf einen ſolchen Ge⸗ danken? Haben wir hier nicht alle unſere Freunde, alle unſere Verbindungen, die uns dieſe Stadt unvergeßlich werth machen müſſen?

Seitdem Papa todt iſt, antwortete das Kind ohne Zögern und mit dem Ausdrucke tiefſter Ueberzeugung kümmert mich das Alles nicht viel mehr, wenn wir nur Victor mit uns nehmen könnten; da er hier bleiben muß, ginge auch ich am liebſten nicht fort.

Eine tiefere Röthe ſtieg in die Wangen der Gräfin,

regte ſich in ihrer Bruſt doch vielleicht ein Vorwurf darüber,

daß ſie ſich eigentlich freiwillig von dem Sohne trennte?

Der Letztere kam ihrer Antwort übrigens zuvor, indem er,

ſich zu ſeiner Schweſter niederbeugend und ſie auf die Stirn küſſend, ſagte:

Möchteſt Du Mama verlaſſen, Julie, die doch einmal abreiſen will und muß? Wie ich Euch auch vermiſſen werde, ſo ſehe ich doch ein, daß es nicht anders ſein kann, ich muß nun doch in das Leben hinaus, um ein rechter Mann