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Mathilde, beſonders wenn es unter deren nächſtem Einfluſſ bleiben konnte.
Julie ſpielte auch nicht mehr mit der Puppe; das be⸗ wegte geſellſchaftliche Leben im elterlichen Hauſe, die ihr zu Theil werdende Erziehung hatten ihren Neigungen ſchon eine andere Richtung gegeben; deswegen durfte man ſie eben nicht ein überreifes Kind nennen, eine durch unverſtändigen Stolz und Eitelkeit der Eltern zu ſchnell getriebene Glas⸗ hauspflanze. Das kindliche Herz lag ihr noch in den Augen und auf den friſchen Lippen, und wenn ſie heute nicht lachte, ſo ließ ſich daraus nur der Schluß ziehen, daß das junge Mädchen tiefer Gefühle fähig war und dieſelben mit Ernſt aufzufaſſen wußte.
Ein ſchönes, wenn auch trauriges Familienbild: wie die Mutter mit dem einen Arme den neben ihr ſtehenden Sohn umſchlungen hatte, während die Tochter auf einer Fußbank vor ihr ſaß und mit dem in Thränen ſchwim⸗ menden Auge zu dem Bruder außblickte, deſſen Hand ſie feſt mit ihren beiden zarten Händchen umklammert hielt! Es
war eine böſe Trennungsſtunde für Alle. Wer mochte ent⸗ ſcheiden, welcher von den Dreien ſie am tiefſten fühlte?
Die Gräfin verſuchte ihren Sohn zu tröſten, oder
vielleicht noch mehr ſich ſelbſt; äußerlich wußte Jener näm⸗


