feurige und geiſtvolle Augen, das lebhafte Weſen, durch den Ton der beſten Geſellſchaft geſchult, machten ſie zu einer
eleganten und intereſſanten Dame, der man noch die höchſten
Anſprüche an das Leben einräumen durfte, und die ſchwarze
Wittwentrauer beeinträchtigte jene Reize nicht, ſondern hob dieſelben nur noch mehr hervor, denn eine wahrhaft ſchöne Frau kann durch künſtlichen Schmuck nur verlieren; dann lagen auch noch in dem einfachen Wittwenkoſtüme ein Ge⸗ ſchmack und ein Sorgfalt, die überraſchen mußten, ohne gerade unangenehm zu berühren; eine ſolche Dame darf und muß ſich gut tragen, ohne eitel zu erſcheinen; man meint, daß der gute Geſchmack natürlich bei ihr iſt und daß ſie ohnedem ſich ſelbſt und Andere beleidigen würde.
Wie der Sohn den Vater copirte, ſo die zwölfjährige Tochter Julie die Mutter, und doch war zwiſchen den letz⸗ teren Beiden eigentlich keine in die Augen fallende Aehn⸗
lichkeit vorhanden, was hauptſächlich daran lag, daß das
junge Mädchen, wie der Bruder, das blonde Haar und die blauen Augen des Vaters beſaß; dennoch lag in den feinen Zügen, in dieſen blauen Augen, allen Bewegungen Juliens derſelbe Ausdruck, wie bei der Mutter, und man würde ſie ſchwerlich als ihr Kind verkannt haben; aber es war eben noch ein Kind, das erſt werden ſollte wie Gräſin


