Teil eines Werkes 
1. Bd. (1874)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Gräfin Mathilde hatte ſich mit ihren Kindern von dieſem Trouble, der nur einen peinlichen Eindruck auf ſie machen konnte, möglichſt abgeſchloſſen, ſie nahm auch keine Abſchieds⸗ beſuche der ſogenannten Freunde mehr an, nachdem ſie ſich ſchon in den letzten Tagen vom Hofe und der Geſellſchaft, in der ſie bisher eine ſo große Rolle geſpielt, auf unbe⸗ ſtimmte Zeit verabſchiedet hatte.

Jetzt ſaß ſie in einem dem Garten zugekehrten Zimmer am Fenſter, offenbar in der wehmüthigſten Stimmung, denn es ſtand ihr ja bevor, mit ſo vielen lieben Erinnerungen, alten Gewohnheiten gewiſſermaßen zu brechen; ſie fühlte mehr, was im Hauſe vorging, als daß ſie es ſah und hörte; vor Allem aber war ſie jetzt Mutter.

Wir erwähnten ſchon, daß die Gräfin mehr als zehn Jahre jünger wie ihr Gemahl geweſen; ſie zählte jetzt erſt etwas über achtundreißig Jahre und hatte ihre mehr als gewöhnliche Schönheit auf das Beſte zu konſerviren gewußt; ſie konnte für eine durchwegs glänzende Erſcheinung gelten.

Eine hohe und üppige Figur, deren Formen keines⸗ wegs über das Maß des Anmuthigen hinausgingen, ſtolz und graziös getragen, ein feiner, noch friſch angehauchter Teint, bei dunklem reichen Haare die Zeit der falſchen Chignons und Perrücken war noch nicht gekommen und braune,