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Er war ein ſchlanker, äußerſt wohlgewachſener Knabe,
der das äußere Ebenbild ſeines Vaters zu werden verhieß,
des ſchönſten und ſtattlichſten Mannes in der Reſidenz, wie vielfach behauptet worden; dieſe Aehnlichkeit verleugnete ſich ebenſo wenig in den reinen, ſtolzen Geſichtszügen, wie in der ganzen Körperhaltung, der Feſtigkeit und Gewandtheit angeboren und anerzogen waren; keine Spur von Schüchtern⸗ heit und linkiſchen Weſens, als der neu eingeſtellte Cadet ſich an dieſem Morgen bei dem Herzoge gemeldet, der ſich über das ſichere und doch vollkommen beſcheidene Auftreten des jungen Mannes ſehr wohlwollend geäußert hatte. Das gräfliche Hôtel mit ſeinem geſammten, ſehr luxuriöſen Meublement war durch Verkauf bereits in den Beſitz eines reichen Großhändlers übergegangen; die Ueber⸗ gabe erfolgte an dieſem Tage durch den Rechtsanwalt und den bisherigen Haushofmeiſter, welch' Letzterer, wie faſt die ganze Dienerſchaft, entlaſſen worden war; Gräfin Ma⸗ thilde brauchte ſich nicht weiter darum zu bekümmern und hielt ſich bis zu ihrer Abreiſe nur noch ein paar Zimmer reſervirt. Daher das viele Hin⸗ und Herlaufen im Hauſe, meiſtens fremde Geſichter, die alten ernſt und trübſelig; ein großes, Jahre altes, durchweg geordnetes Hausweſen löſte ſich auf, über den Trümmern der alten erhob ſich eine neue kleine Welt.


