Teil eines Werkes 
1. Bd. (1874)
Entstehung
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kraß hervortrat, daß man ſich mit ſeiner Klugheit und Le⸗ bensgewandtheit ſchmeicheln durfte, wenn man es verſtand, auf Koſten Anderer Geld zu machen, und Graf Victor beſaß ja auch genug äußere Güter, um ſein zukünftiges Leben nicht an ein ſolches Ziel ſetzen zu müſſen. Welches aber auch der jugendlichen Phantaſie vorſchweben mochte, ſo war doch jetzt die Stunde gekommen, in welcher das Kind ſich von dem Mutterherzen loßreißen mußte, und das iſt, wie faſt Jeder wiſſen wird, eine bittere, unvergeßlich ſchwere Stunde.

Morgen früh wollte Gräfin Mathilde mit ihrer Tochter Julie abreiſen vorläufig in die Schweiz; Victor blieb in dem Cadettenhaus zurück, deſſen Uniform er heute zum erſten Male angelegt hatte. Welcher Stolz für einen jungen Mann, der ſich mit Luſt und Liebe dem militäriſchen Berufe widmet, das Kleid deſſelben anzulegen! Hatte eine gewiſſe ver⸗ zeihliche Eitelkeit wohl auch den meiſten Theil daran, ſo verknüpfte ſie ſich doch auch mit einer Reihe ſchöner Er⸗ wartungen, guter und edler Vorſätze. Bei dem jungen Grafen Victor war dies wenigſtens der Fall; wie hell und freudig würden ſeine Augen geleuchtet haben, wären ſie nicht durch den Schmerz des bevorſtehenden Abſchiedes, der auch manche heimliche Thräne herausdrängte, getrübt worden.

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