—
Die Gräfin Horneck und ihre Kinder hatten viel ver⸗ loren, aber nicht Alles; ſie betrauerten den Gatten und Vater gewiß in aufrichtigſtem Schmerze, aber die bitterſte Verzweiflung konnte nicht an ihre Herzen dringen.
Die Wittwe ſtammte ebenfalls aus einer adeligen Fa⸗ milie, indeſſen waren faſt alle Beziehungen zu derſelben während ihrer langjährigen Ehe um ſo mehr verloren ge⸗ gangen, als jene ſich in Folge ihrer Vermögensloſigkeit zer⸗
ſpaltet hatte; die Gräfin bekümmerte ſich auch ſchon längſt nicht mehr um dieſe Verwandten, und letztere zeigten
auch keinen Antheil an ihrem Verluſte. Das Teſtament des Verſtorbenen ſetzte die Kinder zu gleichen Theilen als Erben ein, ſelbſtverſtändlich hatte ſie aber bis zu deren Volljährigkeit den Nießbrauch des geſammten Vermögens unter gewiſſen Bedingungen und ihren geſetzlichen Wittwen⸗ antheil.
Gräfin Mathilde, eine noch ſchöne und lebensluſtige Frau, fühlte ſich zunächſt, trotz ihrer ſo günſtigen Situation, wohl verletzt dadurch, daß ſie in ihrer geſellſchaftlichen Stel⸗ lung einige Schritte rückwärts thun mußte. Selbſtverſtändlich wurde ſofort ein neuer Kriegsminiſter ernännt, deſſen Gattin nahm den ihr bisher gebührenden Platz ein; der regierende Herr ließ es zwar nicht an Gnadenbeweiſen für die Wittwe
1*


