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buch aufzuſchlagen. Du wirſt Dir bei dieſem Lichte die Augen verderben, Mädchen, und das kann ich nicht ver⸗ antworten; ſchließe das Buch und bringe mir eine kleine Kanne Burgunder, ſiebenundachtziger,— verſtehſt Du?“
Der Weinwirth erhob ſich und brachte ſeine dicke Figur in ſitzende Stellung, worauf er beide Ellenbogen auf den Tiſch ſtemmte und blinzelnd in das Licht der trüben Lampe ſchaute. Seinem Befehle gehorſam, war auch Madeleine aufgeſtanden und dem Büffet zugegangen, das ſich in einer tiefen Niſche des Gemaches befand und neben einer reichlichen Anzahl von zinnernen Kannen und Gläſern auch eine ſolche von Flaſchen und einige kleine Fäſſer enthielt. Ehe ſie hier aber den ihr gewordenen Auftrag ausführte, wandte ſie ſich der Ecke zu, in die Mathieu die dreifarbige Fahne geworfen hatte, hob letztere von der Erde auf und ſtellte ſie ſorgfältig in ein zu dieſem Behufe angebrachtes Geſtell.
„Es könnten Gäſte kommen, Onkel Mathieu,“ meinte ſie, ihr Verfahren erklärend,—„und es Ihnen übel auf⸗ nehmen, daß Sie die Tricolore mit ſo wenig Ehrfurcht behandeln.“
„Kein Menſch kommt, zumal das Wetter ſich mit dieſen Republikanern zu meinem Ruin verſchworen hat,“ brummte der Wirth.„Aber Du haſt Recht, Madeleine, wir müſſen uns nach der Decke ſtrecken und rufen: Es lebe


