Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

191

ihre Heuchelei ſein mochte, ſo fühlte ſie doch, daß ſie keine Bloßſtellung von ihm zu fürchten habe. Das Lächeln in ſeinen Augen war nicht boshafter Natur. Er war hier einfach in Erwiederung der von Ihrer Herrlich⸗ keit ausgegangenen unbeſonnenen Einladung, und als ihr Gaſt wollte er unter die angenehmſten gezählt werden, welche je an ihrem Tiſche figurirt hatten. Zum Erſtau⸗ nen der Mädchen, welche ihn das erſtemal ſahen und ihn nur durch die Beſchreibung als einen ſchmutzigen Wucherer kannten, machte ſich der Fremde ſchnell bei allen An⸗ weſenden als ein gebildeter Gentleman und vollendeter Weltmann beliebt. Wenige hatten auch in der That ſolcher Gelegenheiten zur Bildung und Erfahrung ſich er⸗ freut, wie er, und ſeine frühere Stellung in Paris zu jener Zeit, wo die ſich zur Größe wiederaufſchwingende mächtige Hauptſtadt ein unauflösbares Räthſel für deut⸗ ſche und engliſche Augen geweſen war, ſetzte ihn in den Stand, ſeine Unterhaltung mit authentiſchen Anekdoten von dem höchſten Intereſſe zu würzen, wie ſie Talleyrand zu einem Orakel machten, wobei er immer Pikantes mit dem charakteriſtiſchen Geplapper Montrouds verband.

Kurz alle Ehren des Banketts waren für ihn, den Lady Maitland vormals kaum wie einen der in ſchoͤne Livree gekleideten Sklaven ihrer Dienerhalle behandelt hatte.

Ehe man auseinanderging, ſchärfte ein einziges lei⸗ ſes Wort ihres Gaſtes ſtrenges Schweigen ein und ver⸗ ſprach Schweigen dagegen.

„Wir treffen uns Madame, und ſcheiden als Fremde,“ ſagte er;„das iſt die Bedingung meiner Nachſicht!“

, Ich hatte gehofft,“ entgegnete Lady Maitland, um ihn durch geſchickte Schmeichelei zu verſoͤhnen,„die ange⸗ nehmſte Bekanntſchaft gewonnen zu haben!“

„Und haben ſtatt deſſen den letzten Schatten eines Freundes verloren,“ war die ſtrenge Antwort ihres ſchei⸗ denden Gaſtes.„Von dieſem Augenblicke an erwarten