190
vor der Stunde, welche auf der Einladungskarte beſtimmt war, und wie gewoͤhnlich bei ſolchen Gelegenheiten wurden dergleichen Augenblicke von der Dame des Hauſes einer Darſtellung der Größe und des Einfluſſes des erwarteten Beſuches gewidmet.—
Die Stunde des Diners ſchlug. Wieder verſchwen⸗ dete der große Jäger in Erwartung der verſpäteten Gäſte ein Uebermaß von eau à parfumer les appartements an ein Vorzimmer, dem ein ganzer Niagara von Eſſenzen den Geruch des Tabaks und der soupe aux choux nicht benommen haben würde. Aber ach, der Marquis von Clerval ließ noch auf ſich warten!
Endlich, als die Erwartung auf dem hoͤchſten Punkte ſtand, und der junge Ehrenſtein, welcher jetzt einige Er⸗ fahrung in den beißenden Launen ſeines neuen Verwandten hatte, ſchon anfing, irgend eine excentriſche Repreſſalie gegen die eitle, prahleriſche Wirthin zu fürchten, wurden die Thüren geoffnet und denen, welche Oſaley erwarteten, prahleriſch„Monsieur Ie Marquis de Clerval“ ange⸗ kündigt. Mit heftiger Freude und lächelnder Grazie er⸗ hob ſich Lady Maitland augenblicklich von ihrem Stuhle, um den edlen Fremden zu bewillkommnen, als zu ihrem Entſetzen in ſeinem mittelmäßigſten Anzuge und der wenigſten einnehmenden Manieren der Gegenſtand ihres Schreckens und Abſcheus hereinſchlich, der Geldverleiher A. O.
Es war zu ſpät, die Vorbereitungen zu dem üppi⸗ gen Bankett abzuſtellen, zu ſpät, die Beweiſe der Er⸗ neuerung ihrer ſchändlichen Verſchwendung zu verbergen; ſelbſt der Platz, der an ihrer Seite für den erwarteten Gaſt hergerichtet war, mußte dem Manne verbleiben, den ſie von allen auf der Welt am meiſten fürchtete.
In manchen Fällen vertritt Takt die Stelle höherer Eingebungen. Bald hatte daher Lady Maitland ſöyiel Faſſung gewonnen, um ihrem Gaſte ins Geſicht zu ſehen, und wie groß auch immer ſeine Verachtung gegen


