durch die Zunge eines Feindes geſchah; denn hätteſt Du mich ſchuldig geglaubt, Baſil, ſo hätte Deine Hand nicht ſo zärtlich die Deiner Mutter umſchloſſen.“
„Ich glaube und weiß, daß Alles, was gut und edel an der menſchlichen Natur, Ihnen eigen iſt,“ rief ihr Sohn,„und ich will Zeugniß dafür im Angeſichte der ver⸗ ſammelten Welt ablegen. Es war von ihm, Mutter, daß ich die Geſchichte Ihres erlittenen Unrechts und Mißge⸗ ſchicks hoͤrte. Es war von ſeinen Lippen, daß....“
„Mein Sohn!“ unterbrach ihn Lady Annesley, wäh⸗ rend ihre Lippen ſich verfärbten und vor Bewegung beb⸗ ten;„Du täuſcheſt Dich ſelbſt, oder willſt mich täuſchen. Du warſt noch ein Kind, als jener unglückliche Mann ſeine Vergehungen und Thorheiten durch einen ehrenvollen Tod ſühnte. Gleich Deinem Vater, Baſil, wenn auch in einer weniger heiligen Sache, fiel er auf dem Felde der Chre. Als Freiwilliger im kaiſerlichen Heere blieb er auf dem Schlachtfelde von Auſterlitz. Dies, dies iſt alles, was auf Erden von ihm zurückbleibt!“ fuhr ſie fort, aus ihrem Schreibtiſche das Miniaturbild nehmend, welches bei einer früheren Gelegenheit einen ſo erſchütternden Argwohn auf das Gemüth ihres Sohnes geübt hatte.„Blicke auf das Geſicht, Baſil! Prüfe dieſe edlen Züge, und Du wirſt ge⸗ ſtehen, daß die frühe Bethoͤrung Deiner Mutter zu ent⸗ ſchuldigen iſt!“
Als einen Vorwand, ſeine Aügen von ihrem Geſichte abzuwenden, ſtarrte Baſil für einige Augenblicke ſchweigend auf das Gemälde, während er überlegte, in welchen Aus⸗ drücken er die beſtürzende Entdeckung vorbringen müſſe, die mehr als je unvermeidlich war.
„Nach der warmen Theilnahme, die Sie für das Ori⸗ ginal dieſes Portraits bekannt haben,“ ſagte er endlich mit ſtockender Stimme, und ohne zu wagen, die Augen zu dem Geſichte ſeiner Mutter zu erheben,„weiß ich kaum, in welchen Worten ich meine Verſicherung wiederholen ſoll, daß er lebt, daß erſt geſtern meine Hand in der ſeinigen,


