Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Freundes, des angeblichen Philantropen.. Und doch, Baſil, wagte dieſer verdorbene und ſelbſtſüchtige Egoiſt nicht nur Hoffnungen zu hegen, die durch das heiligſte eheliche und mütterliche Band längſt in meinem Herzen erloſchene Liebe aufs neue zu entzünden; ſondern auch die⸗ jenigen, welche mich beſſer hätten kennen ſollen, der Gatte, dem ich ein treues und unterwürfiges Weib, die Familie, welche Zeuge meiner unabläſſigen, weiblichen Ergebenheit geweſen, wagten zu glauben, daß mein Herz ſich reuevoll zu dem Gegenſtande ſeiner erſten Neigung zurückgewandt abe!“

Der Unwille, der in den ſchönen Augen Lady An⸗ nesleys blitzte, konnte kaum verfehlen, den entſprechenden Strahl in denen ihres aufgeregten Sohnes hervorzu⸗ rufen.

„Du wirſt zugeben, daß ich ſehr unglücklich war,“ rief ſte, durch dieſe Theilnahme ermuthigt, mehr direct an ſeine Gefühle zu apelliren.„Getäuſcht in allen meinen⸗ Hoffnungen auf Glück, erbittert in Herz und Seele an der Schwelle des Lebens, doch aus dem Gefühle meiner, Pflicht Muth ſchöpfend, das mir beſtimmte Geſchick zu ertragen, hatte ich gelernt, den mir gegebenen Gatten zu verehren und zu achten und das Kind anzubeten, deſſen Vater er war. Um ſo tiefer war ich im Grunde meines Herzens verwundet, als ich mich als einen Gegenſtand des Argwohns, als einen Gegenſtand der Verleumdung fand! Baſil, ich war wieder nahe daran, Mutter zu werden, Deine Mutter, mein theurer Sohn, als irgend ein grauſamer Feind das Herz Deines Vaters mit den grundloſeſten Beſchuldigungen gegen mich vergiftete. Ueber⸗ redet, der Beſuch, den ich um meiner unglücklichen Schwe⸗ ſter willen in Paris gemacht, ſei mehr ein Vorwand ge⸗ weſen, den einſt Geliebten, welcher in jener Zeit unter einem angenommenen Namen durch ſeine Laſter allem ge⸗ ſellſchaftlichen Anſtande Hohn ſprach, wieder zu finden, klagte mich Dein unglücklicher Vater bei ſeiner Familie