57
ihrer Augen zeigend, daß ſie auf Aeußerungen von Ga⸗ lanterie und Bewunderung von Seiten des Mannes vor⸗ bereitet ſei, der ſie gleich einer Harpye aneckelte.
„Das zu erläutern iſt von geringem Nutzen,“ ver⸗ ſetzte Abednego mit einem ſchlecht unterdrückten Lächeln des Frohlockens, indem er ſich von ſeinem Stuhle erhob und ihr näherte. Das Blut Baſil Annesley's kochte in ſeinen Adern, und er preßte ſeine Kniee feſter auf die höͤlzerne Bank, während er ſeine Augen nahe an die ver⸗ gitterte Oeffnung brachte.„Denn dieſe Waffen waren der Art, daß es vielleicht unpaſſend für eine große Dame wie Lady Winterfield wäre, davon Gebrauch zu machen.“
„Ich bin Willens, jede Waffe zu gebrauchen,— machen Sie irgend eine Conceſſion,“ ſtammelte die ſchoͤne Schuld⸗ nerin; eine toͤdtliche Blaſſe folgte auf die voruͤbergehende Röthe, als ſie die wachſende Kühnheit des Geldverleihers bemerkte. 33
Abednego faltete ſeine dürren Hände vor ſich hin, und
den Kopf zurückwerfend, ſtand er vor ihr, ſie von Kopf
bis zu Fuß mit einem Lächeln von unbeſchreiblichem Aus⸗ drucke meſſend. Es war unmöglich, eine reizendere Frau zu ſehen, und der Geldverleiher ſtarrte ſie an, als wollte er eine Schatzung ihrer Reize anſtellen.
„Die Waffen, auf welche ich anſpielte, ſtehen nicht zu Euer Herrlichkeit Verfügung,“ war endlich ſeine ſar⸗ kaſtiſche Antwort;„denn es waren Thränen wahrer Reue über einen unfreiwilligen Wortbruch;— es waren die irren und wilden Blicke, welche Arbeit und Mangel dem ſchönſten Geſichte aufdrücken. Sie war eine Frau aus dem Volke, Madame; gleich Ihnen jung verlaſſen, eine Wittwe;— gleich Ihnen mit hülfloſen Kindern, von ihrer Klugheit abhängend. Sie erzählte mir, und ihre Miene zeugte fuͤr ihre Wahrhaftigkeit, daß ſie Tag und Nacht für dieſelben gearbeitet, für dieſelben ſich Nahrung und Schlaf verſagt habe. Doch die Auslage für das, was ſie auf ihr Geſchäft verwendet hatte,(von einem der Agen⸗


