53
„weil Sie nur zu wohl wiſſen, daß es gänzlich außer meiner Macht liegt, dieſen Betrag zurückzuſtellen. Sie wiſſen genau, daß nur die äußerſte Noth mich zwingen konnte, die Juwelen in Ihre Hand zu geben, und nun verhohnen Sie mich, indem Sie wünſchen, ein Darlehen zurückzuerhalten, das ich, wie Sie wiſſen, nicht zurückzah⸗ len kann. Wie, um Vergebung, glauben Sie, daß ich eine ſolche Summe zu erhalten im Stande ſein ſollte 24
„Das iſt Euer Herrlichkeit Sache.— Als Sie durch Ihre Thränen und Bitten mir dieſe Summe abdrangen, verſicherten Sie mir, daß Sie nur in augenblicklicher Ver⸗ legenheit ſeien und ſehr bald im Stande ſein würden, ſich wieder frei zu machen.“
„Ja!— Das verſteht ſich!— Ich ſagte Alles, was man gewoͤhnlich zu Geldverleihern ſagt....“
„Wohl mögen faſhionable Gräfinnen in Verlegenheit alles das zu Geldverleihern ſagen. Aber ich kann Euer Herrlichkeit verſichern, ſo ſeltſam es Ihnen auch ſcheinen mag, daß es Leute in der Welt gibt, welche die Einlöſung ihres Ehrenworts für heilig halten, gerade wenn ſie es einem Geldverleiher verpfändet haben. Mit Rückſicht auf die äußerſte Noth, welche Euer Herrlichkeit, wie Sie vor⸗ ſchützten, zwang, Ihre Familienjuwelen in meine Hände zu geben, muß ich mir zu ſagen erlauben, daß ich Mylady's Einrichtung geſehen, da ich die Ehre hatte, in Euer Herr⸗ lichkeit Geſellſchaftszimmer einzutreten,— ſehr verſchieden, ich geſtehe es, von meinen eigenen,“ fuhr A. O. fort, indem ſeine Blicke über das kalte, getäfelte und unmöblirte Zimmer hinflogen, deſſen Dielen mit einem viereckigen, verblichenen ſchottiſchen Teppiche bedeckt waren,—„doch
gleich entfernt, mir Mitleid für den Mangel der Eigen⸗ thümerin einzuflößen.“
„Wir ſind verpflichtet, in dieſer Welt den Anſtand in unſerer Lebensweiſe zu behaupten, welchen wir unſerer Stellung in der Geſellſchaft ſchuldig ſind,“ unterbrach ihn
die Gräfin in ſtolzem Tone.


